Der Sommer ist für viele die schönste Zeit des Jahres. Doch für Menschen mit Venenleiden kann die warme Jahreszeit zur echten Belastungsprobe werden. Mit dem Anstieg der Temperaturen bemerken viele Patienten, dass sich ihre Krampfadern im Sommer deutlicher bemerkbar machen: Die Beine schwellen häufiger an, das Gefühl von Schwere und Schmerzen nimmt zu, und vaskuläre „Besenreiser“ sowie venöse Knoten treten optisch stärker hervor. Aber warum reagiert unser Gefäßsystem so empfindlich auf Wärme? In diesem Artikel erklären wir die physiologischen Prozesse, die Hitze in Ihren Venen auslöst, und geben Ihnen eine umfassende Anleitung, wie Sie Ihre Beingesundheit in den heißen Monaten schützen können. 1. Hohe Temperaturen und die Erweiterung der Venen Der Hauptgrund für die Verschlechterung der Symptome im Sommer ist ein natürlicher Mechanismus unseres Körpers: die Thermoregulation. Um einer Überhitzung vorzubeugen, versucht der Organismus, überschüssige Wärme abzugeben. Dies geschieht durch die sogenannte thermoregulatorische Vasodilatation. Die Blutgefäße, insbesondere die oberflächennahen Venen, erweitern sich, um die Durchblutung der Haut zu erhöhen und somit die Wärmeabgabe zu erleichtern. Bei gesunden Venen ist dies ein reversibler und unproblematischer Prozess. Liegt jedoch bereits eine Venenschwäche oder eine Varikose vor, sind die Venenwände oft weniger elastisch und die Venenklappen schließen nicht mehr richtig. Die Folgen der Hitze: Die erweiterten Gefäße führen dazu, dass die Venenklappen noch weiter auseinanderweichen (Klappeninsuffizienz). Der Rückfluss des Blutes zum Herzen wird erschwert, es kommt zum venösen Stau („Versackung“ des Blutes in den Beinen). Flüssigkeit tritt aus den übervollen Gefäßen in das umliegende Gewebe aus, was zu Ödemen (Wassereinlagerungen) führt. Typische Symptome sind nächtliche Wadenkrämpfe, ein massives Spannungsgefühl und sichtbare Schwellungen am Abend. 2. Die Gefahr der Dehydrierung Ein oft unterschätzter Faktor bei Krampfadern im Sommer ist der Flüssigkeitshaushalt. Bei hohen Temperaturen verlieren wir durch Schwitzen viel Flüssigkeit und Elektrolyte. Wenn dieser Verlust nicht durch ausreichendes Trinken ausgeglichen wird, verändert sich die Zusammensetzung des Blutes. Das Blut wird viskoser (dickflüssiger). Dies ist besonders gefährlich für Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz (CVI). Dickflüssiges Blut fließt langsamer, was in Kombination mit den erweiterten Venen das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln drastisch erhöht. Das Risiko für eine oberflächliche Thrombophlebitis oder sogar eine tiefe Beinvenenthrombose steigt an heißen Tagen signifikant an. 3. Veränderung der Aktivität im Urlaub Der Sommer verändert unseren Lebensrhythmus, was sich oft negativ auf die Venenpumpe auswirkt. Hierbei spielen zwei Extreme eine Rolle: Überlastung durch ungewohnte Anstrengung Lange Wanderungen, intensive Arbeit im Garten bei gebückter Haltung oder stundenlange Shopping-Touren belasten untrainierte Venen. Auch die Anreise in den Urlaub ist ein Risikofaktor: Langes Sitzen im Flugzeug, Auto oder Zug („Reisethrombose“) führt durch die abgeknickten Leisten und Kniekehlen zu einem Rückstau des Blutes. Bewegungsmangel am Strand Das Gegenteil ist ebenso schädlich: Das stundenlange Liegen in der prallen Sonne oder das Sitzen an der Strandbar legt die Muskel-Venen-Pumpe der Wade lahm. Diese Pumpe ist jedoch essenziell, um das Blut gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen zu befördern. Ohne die Muskelkontraktion der Waden bleibt das Blut in den Beinen stehen. 4. Hormonelle Schwankungen Besonders bei Frauen können sommerliche Hormonveränderungen die Situation verschärfen. Bestimmte Hormone, wie Progesteron, wirken entspannend auf die glatte Muskulatur der Venenwände. Dies reduziert den Venentonus zusätzlich. Faktoren wie die Einnahme oraler Kontrazeptiva (Pille) oder eine Schwangerschaft verstärken diesen Effekt in Kombination mit der Hitze. Was Sie tun können: Der Sommer-Guide für Ihre Beine Sie müssen den Sommer nicht im Haus verbringen. Mit den richtigen Strategien können Sie Beschwerden lindern und Risiken minimieren. Sport und Bewegung: Was hilft, was schadet? Nicht jede Bewegung ist gut für Krampfadern. Achten Sie auf rhythmische Bewegungen, die die Wadenmuskulatur aktivieren. Empfohlene Aktivitäten (Venenfreundlich) Zu vermeidende Aktivitäten (Venenbelastend) Schwimmen: Der Wasserdruck wirkt wie ein natürlicher Kompressionsstrumpf, das kühle Wasser verengt die Gefäße. Gewichtheben: Hoher Druck im Bauchraum presst das Blut in die Beine zurück. Radfahren: Aktiviert die Wadenpumpe ohne das Körpergewicht tragen zu müssen. Ballsportarten (Tennis, Squash): Abruptes Stoppen und Springen belastet die Venenklappen extrem. Nordic Walking / Spazieren: Das Abrollen des Fußes ist ideal für den Blutfluss. Heißes Yoga / Sauna: Extreme Hitze führt zu maximaler Gefäßerweiterung. Praktische Tipps für den Alltag Kompressionsstrümpfe: Ja, im Sommer sind sie unangenehm, aber sie sind das effektivste Mittel. Besprechen Sie mit Ihrem Phlebologen leichtere Materialien oder offene Spitzen für die heißen Tage. Kaltes Wasser: Gönnen Sie Ihren Beinen regelmäßig kalte Güsse nach Kneipp. Führen Sie den Duschstrahl von den Füßen außen am Bein hoch bis zur Leiste und innen wieder hinab. Dies trainiert die Gefäßwände. Trinkregime: Trinken Sie mindestens 1,5 bis 2,5 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag. Meiden Sie Alkohol in der Hitze, da er die Gefäße zusätzlich weitet. Hochlegen: Nutzen Sie jede Gelegenheit, die Beine hochzulegen (höher als das Herz), um den Rückfluss zu erleichtern. Wann sollten Sie zum Arzt? Krampfadern sind nicht nur ein kosmetischer Defekt. Wenn Sie Symptome ignorieren, riskieren Sie Komplikationen wie Venenentzündungen oder im schlimmsten Fall offene Beine (Ulcus cruris). Der Sommer eignet sich übrigens durchaus für den Start einer Diagnostik. Moderne, minimalinvasive Verfahren (wie Lasertherapie oder Sklerosierung) sind oft auch in der warmen Jahreszeit möglich, da die Heilung schneller verläuft als bei klassischen Operationen. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Darf ich mit Krampfadern in die Sonne? Direkte, intensive Sonneneinstrahlung auf die Beine sollten Sie vermeiden. Die Hitze erweitert die Gefäße und verschlimmert die Stauung. Decken Sie die Beine mit einem leichten Tuch ab oder suchen Sie den Schatten. Helfen Salben und Gele gegen Krampfadern im Sommer? Kühlende Gele mit Heparin, Rosskastanie oder Weinlaub können subjektiv Linderung verschaffen und das Schweregefühl reduzieren. Sie heilen jedoch nicht die erkrankten Venenklappen und ersetzen keine medizinische Therapie. Ist Fliegen mit Krampfadern gefährlich? Langstreckenflüge erhöhen das Thromboserisiko. Tragen Sie unbedingt Kompressionsstrümpfe, trinken Sie viel Wasser und bewegen Sie die Füße regelmäßig, um die Blutzirkulation anzuregen. Zögern Sie nicht, Ihre Beingesundheit ernst zu nehmen. Vereinbaren Sie einen Termin für einen Ultraschall der Venen (Doppler-Sonografie) und lassen Sie sich individuell beraten. Arthur Kharisov, Ihr Phlebologe P.S. Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren: Wie überstehen Ihre Beine die heißen Tage? Haben Sie spezielle Geheimtipps? Beitragsnavigation Krampfadern Behandlung: Wann Varikose gefährlich wird und moderne Therapien Krampfadern Behandlung: Arten, Ursachen und effektive Hilfe durch Biosferalab Mikrosphären