Liebe Patienten, das Thema Krampfaderbehandlung bei Gerinnungsstörungen wirft oft viele Fragen auf. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, wie wir Varikose bei Patienten mit veränderter Blutgerinnung behandeln, welche Risiken tatsächlich bestehen und warum die moderne Phlebologie auch in komplexen klinischen Fällen sichere Lösungen bietet. Krampfadern (Varikose) treten nicht selten in Kombination mit Störungen des Gerinnungssystems auf. Für Betroffene klingt das oft beunruhigend: Einerseits gibt es erweiterte Venen und das Risiko von Thrombosen, andererseits Sorgen bezüglich Blutungen oder der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten. In der Praxis erfordern solche Situationen keinen Verzicht auf die Behandlung, sondern einen präziseren und durchdachteren Ansatz. Was bedeutet eigentlich „Gerinnungsstörung“? Unter diesem Begriff verbergen sich verschiedene Zustände, die für die Planung einer Therapie entscheidend sind. Man muss hier differenzieren: Thrombophilie: Eine Neigung zu erhöhter Thrombusbildung (das Blut gerinnt zu leicht). Hämophilie/Hämorrhagische Diathese: Eine verlangsamte Gerinnung und ein erhöhtes Blutungsrisiko. Medikamentöser Einfluss: Die Einnahme von Antikoagulanzien (Blutverdünnern) oder Thrombozytenaggregationshemmern. Genetische oder erworbene Faktoren: Angeborene Defekte oder durch andere Erkrankungen erworbene Veränderungen der Hämostase. Jede dieser Situationen beeinflusst die Behandlungstaktik unterschiedlich, weshalb es hier keine Universallösungen gibt. Warum ist das bei Krampfadern besonders wichtig? Krampfadern schaffen per se Bedingungen für: Eine Verlangsamung des Blutflusses. Venöse Stauungen. Veränderungen der Fließeigenschaften des Blutes. Kommen Gerinnungsstörungen hinzu, kann sich das Komplikationsrisiko in beide Richtungen verschieben. Die Aufgabe des Phlebologen ist es, die Balance zwischen Thromboserisiko und Blutungsrisiko abzuwägen und eine sichere Behandlungsstrategie zu wählen. Diagnostik vor der Behandlung: Ein obligatorischer Schritt Bei Patienten mit Gerinnungsstörungen ist die Vorbereitung immer gründlicher. Wir verlassen uns nicht nur auf das klinische Bild, sondern benötigen präzise Laborwerte. Wichtige Laborparameter im Überblick Untersuchung Ziel der Untersuchung Koagulogramm (Gerinnungsstatus) Allgemeine Übersicht über die Blutgerinnungsfähigkeit. INR (International Normalized Ratio) Wichtig zur Überwachung bei Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Marcumar). aPTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) Beurteilt den intrinsischen Gerinnungsweg (wichtig z.B. bei Hämophilie oder Heparin-Therapie). Fibrinogen Ein Protein, das für die Blutgerinnselbildung essentiell ist. Duplex-Sonographie Ultraschall zur Beurteilung der Venenanatomie und des Blutflusses. Diese Daten ermöglichen es uns zu verstehen, wie sich das Blut während und nach dem Eingriff verhalten wird und welche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich sind. Ist eine Behandlung trotz Störungen möglich? Ja, in den meisten Fällen ist dies möglich. Die moderne Phlebologie verfügt über Methoden, die das Gewebe nur minimal traumatisieren, keine großen Schnitte erfordern und eine präzise Kontrolle des Prozesses ermöglichen. Entscheidend ist nicht das Vorhandensein einer Gerinnungsstörung an sich, sondern deren Charakter und der Grad der Kompensation. Bevorzugte Behandlungsmethoden Die Wahl der Methode ist immer individuell, aber am häufigsten kommen folgende Verfahren zum Einsatz: Endovenöse Lasertherapie (EVLA): Da hierbei die Vene von innen durch Hitze verschlossen wird, ist das Blutungsrisiko minimal. Sklerotherapie: Das Veröden von Venen. Hier muss bei Patienten mit bekannter Thromboseneigung (Thrombophilie) besonders vorsichtig vorgegangen werden. Miniphlebektomie: Nur bei strenger Indikation und unter lokaler Blutstillung. Kompressionsherapie: Als Basistherapie fast immer indiziert. Umgang mit Antikoagulanzien (Blutverdünnern) Viele Patienten nehmen Medikamente zur Blutverdünnung ein, etwa aufgrund von Vorhofflimmern oder künstlichen Herzklappen. In solchen Fällen gilt: Die Venenbehandlung erfolgt niemals „blind“. Die Taktik wird eng mit dem behandelnden Kardiologen oder Hausarzt abgestimmt. Bridging (Überbrückung): Manchmal ist es notwendig, starke Blutverdünner (wie Warfarin/Phenprocoumon) vorübergehend abzusetzen und durch besser steuerbare Heparin-Spritzen (Niedermolekulares Heparin) zu ersetzen. Dies erlaubt uns, das Blutungsrisiko während des Eingriffs zu senken und den Schutz vor Thrombosen direkt danach wiederherzustellen. Wichtig: Setzen Sie niemals Medikamente eigenmächtig ab oder ändern Sie die Dosis! Die Rolle des Ultraschalls und die Sicherheit Der Ultraschall ist bei Gerinnungsstörungen nicht nur Diagnostik, sondern Sicherheitsnetz. Er erlaubt uns, das Thromboserisiko präoperativ einzuschätzen, den Grad der venösen Stauung zu verstehen und die Venen nach der Behandlung engmaschig zu überwachen (dynamische Beobachtung). Wann wird eine Behandlung verschoben? Es gibt Situationen, in denen wir die Behandlung temporär aussetzen müssen: Wenn die Gerinnungsstörung nicht medikamentös eingestellt (dekompensiert) ist. Bei akutem, hohem Blutungsrisiko. Bei Vorliegen einer akuten tiefen Beinvenenthrombose. Wenn der Allgemeinzustand des Patienten instabil ist. In diesen Fällen hat die Stabilisierung der Grunderkrankung Vorrang. Zusätzliche Aspekte: Lebensstil und Prävention Für Patienten mit Gerinnungsproblemen ist der Lebensstil ein Teil der Therapie. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist essentiell, um das Blut nicht zusätzlich einzudicken. Leichte Bewegung wie Spaziergänge aktiviert die Wadenmuskelpumpe und unterstützt den venösen Rückfluss, was sowohl bei Thromboseneigung als auch bei Blutungsneigung (durch Reduktion des venösen Drucks) hilfreich ist. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen bei Gerinnungsstörungen sicher? Ja, absolut. Kompressionsstrümpfe sind oft das sicherste Mittel der Wahl. Sie reduzieren die venöse Stauung, verringern das Thromboserisiko und unterstützen den venösen Abfluss. Für Patienten, bei denen ein invasiver Eingriff gerade nicht möglich ist, ist die Kompressionstherapie das wichtigste Basisinstrument. Kann ich meine Blutverdünner vor der Venen-OP einfach weglassen? Nein, auf keinen Fall. Das eigenmächtige Absetzen kann zu lebensgefährlichen Thrombosen oder Embolien führen. Jede Änderung der Medikation muss strikt mit dem Phlebologen und Ihrem Kardiologen/Internisten abgesprochen werden. Oft wird ein sogenanntes „Bridging“ mit Heparin durchgeführt. Ist die Laserbehandlung von Krampfadern bei Blutern (Hämophilie) möglich? Ja, die endovenöse Lasertherapie ist oft die bevorzugte Methode für Patienten mit Blutungsneigung, da sie ohne große Schnitte auskommt und die Vene von innen verschließt (koaguliert), was das Nachblutungsrisiko im Vergleich zur klassischen Operation („Stripping“) deutlich minimiert. Fazit Eine Gerinnungsstörung bedeutet kein Verbot für die Behandlung von Krampfadern. Es erfordert jedoch eine Arbeit an der Schnittstelle von präziser Diagnostik, ärztlicher Erfahrung und einem individuellen Ansatz. Bei korrekter Risikoeinschätzung und Einhaltung aller Empfehlungen ist die Behandlung möglich und liefert gute Ergebnisse, ohne Ihre Gesundheit zu gefährden. Ich wünsche Ihnen Ruhe und Zuversicht bei Ihren medizinischen Entscheidungen. Lassen Sie auch komplexe Diagnosen kein Hindernis für Ihre Behandlung sein – ein kompetenter Ansatz hilft, Gesundheit und Lebensqualität zu bewahren. Artur Achijarowitsch Charisow Phlebologe, Facharzt für Gefäßchirurgie Beitragsnavigation Übungen gegen Krampfadern: 4 Methoden gegen Ödeme und schwere Beine Krampfadern vermeiden: Die Wahrheit über High Heels, Sneaker und gesunde Füße