Die Diagnose Varikosis (Krampfadern) war früher oft mit langen Krankenhausaufenthalten und schmerzhaften Operationen verbunden. Doch die Phlebologie hat enorme Fortschritte gemacht. Wer heute Krampfadern entfernen lassen möchte, profitiert von minimalinvasiven Techniken, die eine rasche Rückkehr in den Alltag ermöglichen. Moderne Methoden erfordern oft nicht einmal mehr eine klassische Hospitalisierung. Wie Egor Kovalev, ein erfahrener Gefäßchirurg, erklärt, lassen sich Varizen heutzutage buchstäblich in wenigen Stunden beseitigen. Der Goldstandard in vielen Fällen ist dabei die sogenannte Radiofrequenzablation. Beine mit sichtbaren venösen Veränderungen | Foto: Shutterstock.com Die Radiofrequenzablation: Schnell und schonend Nach Aussage des Experten ist die Radiofrequenzablation derzeit eine der optimalsten Varianten, um Krampfadern entfernen zu lassen. Der Eingriff erfolgt mithilfe spezieller Ausrüstung und ist für den Patienten äußerst komfortabel. „Diese Operation wird ziemlich schnell durchgeführt: Der Patient kommt an, erledigt die Formalitäten, und nach buchstäblich einer Stunde wird unter örtlicher Betäubung die Ablation der Vene sowie zusätzlich eine Miniphlebektomie durchgeführt – das heißt, alle oberflächlichen pathologischen Venen werden entfernt. Bereits zwei Stunden später geht der Patient wieder nach Hause“, betont der Arzt. Ein entscheidender Vorteil dieses Verfahrens ist die extrem kurze Erholungszeit. Die Arbeitsfähigkeit ist praktisch sofort nach dem Eingriff wiederhergestellt. Im Gegensatz zu früheren Methoden gibt es keine großen Schnitte und kaum postoperative Schmerzen. Wie funktioniert das Verfahren? Bei der Radiofrequenzablation wird ein dünner Katheter in die erkrankte Vene eingeführt. Durch Radiowellen wird Hitze erzeugt, die die Venenwand von innen verschließt. Der Körper baut das verschlossene Gefäß im Laufe der Zeit selbstständig ab. Parallel dazu werden bei der Miniphlebektomie sichtbare Seitenäste über winzige Hautstiche entfernt, die meist nicht einmal genäht werden müssen. Klassische Chirurgie: Wann ist sie noch notwendig? Obwohl Laser- und Radiowellentherapien dominieren, hat die klassische Chirurgie (Crossektomie und Stripping) immer noch ihren Platz. Der Chirurg weist darauf hin, dass es Situationen gibt, in denen das klassische Krampfadern entfernen durch einen Schnitt unter Vollnarkose unumgänglich ist. „Das ist die traumatischere Operation. Sie wird bei Patienten mit komplizierten Fällen durchgeführt, wenn eine Laserbehandlung nicht mehr möglich ist – etwa bei starken trophischen Gewebeveränderungen oder wenn sich bereits offene Beingeschwüre (Ulcus cruris) gebildet haben. Hier ist alles sehr individuell“, merkt Egor Kovalev an. In diesen fortgeschrittenen Stadien ist die Anatomie der Venen oft so stark verändert, dass ein Katheterverfahren technisch nicht mehr durchführbar ist oder nicht den gewünschten Erfolg verspricht. Vergleich: Moderne vs. Klassische Methode Merkmal Radiofrequenzablation / Laser Klassische OP (Stripping) Narkose Örtliche Betäubung (Tumeszenzanästhesie) Vollnarkose oder Spinalanästhesie Krankenhausaufenthalt Ambulant (ca. 2-3 Stunden) Stationär oder tagesklinisch Schnitte Punktion (keine Narben) Schnitte in Leiste und Bein Erholungszeit Sofortige Mobilisierung 1–3 Wochen Arbeitsunfähigkeit Keine Sorge um den Blutfluss Eine der häufigsten Ängste von Patienten, die sich Krampfadern entfernen lassen wollen, betrifft die Durchblutung. „Wenn mir Venen entfernt werden, wo fließt dann das Blut?“ ist eine oft gestellte Frage. Experte Kovalev gibt hier jedoch Entwarnung: „Die Entfernung der oberflächlichen Venen hat absolut keinen negativen Einfluss auf den Blutfluss.“ Der Grund dafür liegt in der Anatomie des Menschen. Wir besitzen ein tiefes und ein oberflächliches Venensystem. Das tiefe Venensystem: Es liegt zwischen den Muskeln und transportiert ca. 90% des Blutes zurück zum Herz. Das oberflächliche Venensystem: Es liegt unter der Haut und transportiert nur etwa 10% des Blutes. „Die tiefen Venen kompensieren den Wegfall problemlos. Sie übernehmen die Arbeit der entfernten Gefäße und leiten das Blut ganz normal und ohne Symptome weiter“, beruhigt der Arzt. Wichtig zu wissen: Die lebenswichtigen tiefen Venen werden niemals entfernt. Prävention: So beugen Sie neuen Krampfadern vor Auch nach einer erfolgreichen Behandlung ist es wichtig, auf die Venengesundheit zu achten, um Rückfälle zu vermeiden. Zwar ist die genetische Veranlagung (Bindegewebsschwäche) nicht änderbar, doch der Lebensstil spielt eine große Rolle. Um Ihre Beine langfristig gesund zu halten, empfehlen Phlebologen folgende Maßnahmen: Bewegung ist das A und O: Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken aktivieren die Wadenmuskelpumpe, die das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen drückt. Vermeiden von Hitze: Sauna, heiße Bäder und langes Sonnenbaden erweitern die Gefäße und können den Blutrückfluss verlangsamen. Wechselduschen: Der Wechsel von warmem und kaltem Wasser trainiert die Gefäßwände und fördert die Elastizität. Gesunde Ernährung: Übergewicht drückt auf die Venen im Bauchraum und erschwert den Rückfluss. Eine ballaststoffreiche Ernährung beugt zudem Verstopfung vor, was ebenfalls den Druck auf die Beinvenen mindert. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Ist das Entfernen von Krampfadern schmerzhaft? Bei modernen Verfahren wie der Radiofrequenzablation oder Lasertherapie sind die Schmerzen minimal. Der Eingriff erfolgt unter lokaler Betäubung. Patienten berichten meist nur über ein leichtes Ziehen oder Druckgefühl. Auch nach der OP sind kaum Schmerzmittel notwendig. Wie lange dauert die Genesung nach dem Eingriff? Bei minimalinvasiven Methoden können Sie in der Regel sofort wieder laufen und nach 1-2 Tagen Ihrer Arbeit nachgehen (bei körperlich leichter Tätigkeit). Sport ist meist nach ca. 1-2 Wochen wieder möglich. Bei der klassischen „Stripping“-OP dauert die Erholung etwa 2 bis 3 Wochen. Kommen Krampfadern nach der Entfernung wieder? Die einmal entfernte oder verschlossene Vene kommt nicht wieder. Da Varikosis jedoch eine chronische Erkrankung des Bindegewebes ist, können sich im Laufe der Jahre an anderen Stellen neue Krampfadern bilden. Regelmäßige Kontrollen und Kompressionsstrümpfe helfen bei der Vorbeugung. Zahlt die Krankenkasse die Behandlung? Die klassische Operation (Stripping) wird von allen gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Moderne Verfahren wie Laser oder Radiowelle werden von privaten Kassen meist übernommen. Gesetzlich Versicherte sollten vorab klären, ob ihre Kasse spezielle Verträge für diese modernen Methoden anbietet, da dies je nach Versicherung variiert. Beitragsnavigation Die optimale Krampfadern Behandlung: Warum der Frühling der beste Zeitpunkt ist Radiofrequenzablation bei Krampfadern: Die moderne und sanfte Behandlungsmethode