Das Thema Gesundheit der Beine und insbesondere Krampfadern nach der Schwangerschaft beschäftigt sehr viele Frauen. Laut medizinischen Statistiken tritt bei etwa 80 % der Frauen während der Schwangerschaft oder in der Zeit nach der Entbindung eine Form von Krampfadern (Varikose) auf. Besonders deutlich werden diese venösen Veränderungen oft bei einer erneuten Schwangerschaft, vor allem dann, wenn der zeitliche Abstand zwischen der ersten und der zweiten Geburt relativ kurz ist. In diesem Artikel klären wir detailliert auf, warum das passiert und wie Sie Ihre Venen effektiv und schonend behandeln lassen können. Warum verändern sich die Venen in dieser Zeit? Während einer Schwangerschaft durchläuft der weibliche Körper eine immense hormonelle Umstellung. Der Organismus schüttet vermehrt Hormone aus, welche die Aufgabe haben, das Bindegewebe weicher und extrem dehnbar zu machen – eine notwendige Vorbereitung auf die bevorstehende Geburt. Das Bindegewebe bildet das grundlegende Gerüst und die Basis für alle Weichteile unseres Körpers. Da die Venenwand zu einem großen Teil ebenfalls aus Bindegewebe besteht, betrifft diese weichmachende Wirkung der Hormone auch direkt die Blutgefäße. Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Faktor: Auf die Venen, insbesondere in den Beinen und im Beckenbereich, wirkt während der Schwangerschaft eine stark erhöhte mechanische Belastung. Das Blutvolumen der Mutter steigt signifikant an, und die stetig wachsende Gebärmutter drückt zunehmend auf die Beckenvenen. Dies erschwert den Blutrückfluss entgegen der Schwerkraft zum Herzen. All diese Faktoren – weicheres Gewebe, mehr Blut und höherer Druck – begünstigen die Entwicklung einer Varikose. Ein bestimmter Abschnitt der Vene hält diesem permanenten Druck nicht mehr stand, weitet sich aus und überdehnt. Nach der Entbindung geht diese erhöhte physische Belastung für den Körper zwar wieder zurück, doch eine einmal stark gedehnte und funktionslos gewordene Vene verbleibt meist in diesem geschädigten Zustand. Typische Symptome von Venenproblemen Oft beginnt ein Venenleiden schleichend. Achten Sie auf folgende Beschwerden, die neben den sichtbaren bläulichen Adern an der Hautoberfläche auftreten können: Schweregefühl und eine schnelle Ermüdbarkeit der Beine, besonders am Ende des Tages. Sichtbare Schwellungen (sogenannte Ödeme), die sich meist im Bereich der Knöchel oder Unterschenkel bilden. Ziehende Schmerzen, ein ständiges Spannungsgefühl oder auch Juckreiz entlang der betroffenen Adern. Häufige nächtliche Wadenkrämpfe, die den Schlaf und die Erholung stören. Vorbeugung: Was tun während der Schwangerschaft? Solange Sie schwanger sind, wird in der Regel keine aktive operative oder verödende Behandlung des Krampfaderleidens durchgeführt. In dieser sensiblen Phase konzentriert sich die Medizin ausschließlich auf die Vorbeugung (Prophylaxe), um das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und akute Beschwerden zu lindern. Die effektivste und wichtigste Maßnahme ist das konsequente Tragen von medizinischer Kompressionskleidung (Kompressionsstrümpfe). Diese Strümpfe üben einen exakt definierten Druck auf das Bein aus, unterstützen die Arbeit der Venenklappen und beschleunigen den Blutrückfluss in Richtung Herz. Weitere hilfreiche Tipps für den Alltag sind ausreichend Bewegung an der frischen Luft, das Vermeiden von langem, ununterbrochenem Stehen oder Sitzen sowie das regelmäßige Hochlegen der Beine in Ruhepausen. Der richtige Zeitpunkt für eine aktive Behandlung Nach der erfolgreichen Entbindung und dem endgültigen Abschluss der Stillzeit hat sich der Hormonhaushalt in der Regel wieder vollständig normalisiert. Nun ist der perfekte Moment gekommen, um sich um die eigene Venengesundheit zu kümmern und lästige Besenreiser sowie schmerzhafte, hervorstehende Venen dauerhaft loszuwerden. In der Phlebologie gilt der Grundsatz: Je früher eine junge Mutter mit Krampfadern ärztliche Hilfe bei einem Spezialisten in Anspruch nimmt, desto geringer fallen der Umfang und die Dauer der notwendigen Behandlung aus – und umso besser und ästhetisch ansprechender sind die finalen Resultate. Diagnoseverfahren beim Facharzt (Phlebologe) Bei einer Beratung durch einen Facharzt für Venenheilkunde steht zunächst eine exakte Diagnostik im Vordergrund. Der Goldstandard hierfür ist das sogenannte Duplex-Scannen der Venen, eine hochmoderne, schmerzfreie und strahlungsfreie Ultraschalluntersuchung. Der Arzt überprüft dabei den allgemeinen Zustand des gesamten Venensystems, die korrekte Funktion der feinen Venenklappen und kontrolliert sehr genau, ob sich möglicherweise Blutgerinnsel (Thrombosen) gebildet haben. Auf der Basis dieser umfassenden Ergebnisse wird Ihnen eine maßgeschneiderte, individuelle Therapieempfehlung vorgeschlagen. Moderne und schonende Behandlungsmethoden Jede moderne Behandlung einer Varikose basiert auf demselben Prinzip: Der Blutfluss in der erweiterten, kranken Vene muss gestoppt werden. Es gibt absolut keinen Grund, Angst davor zu haben, künftig ohne diese betroffene Vene zu leben. Die erkrankte Vene hat ihre Transportfunktion ohnehin bereits eingebüßt; das Blut fließt dort nicht mehr ordnungsgemäß nach oben ab. Der Körper ist intelligent und leitet den Blutstrom sofort und problemlos über das tiefe Venensystem und andere gesunde Adern um. Behandlungsmethode Funktionsweise Vorteile Sklerotherapie (Schaumverödung) Ein spezielles Medikament wird in die Vene injiziert, was zu einer gezielten Entzündung und dem anschließenden Verschluss der Venenwände führt. Minimalinvasiv, keine Narkose erforderlich, besonders geeignet für Besenreiser und kleinere Krampfadern. Laser- oder Radiofrequenzablation Ein feiner Katheter wird in die erkrankte Vene eingeführt. Durch gezielte Hitzeeinwirkung (Laser oder Radiowellen) schrumpft die Vene und verschließt sich von innen. Sehr schonend, ambulant durchführbar, schnelle Erholungszeit und exzellente kosmetische Resultate. Minimalinvasive Chirurgie (z. B. Miniphlebektomie) Kranke, erweiterte Venenabschnitte werden über winzige Mikroschnitte (1-2 mm) mit speziellen Instrumenten chirurgisch entfernt. Kaum sichtbare Narbenbildung, dauerhafte Entfernung der betroffenen Venen, schnelle Heilung. Häufig gestellte Fragen (FAQ) Können sich Krampfadern nach der Entbindung von ganz allein zurückbilden? Leicht erweiterte Venen können sich in den ersten Monaten nach der Geburt durch die hormonelle Umstellung und Gewichtsabnahme etwas verbessern. Ausgeprägte Krampfadern jedoch, bei denen die empfindlichen Venenklappen bereits dauerhaft defekt sind, bilden sich nicht von selbst zurück und bedürfen zwingend einer phlebologischen Abklärung. Ist das Tragen von Kompressionsstrümpfen auch nach der Geburt noch sinnvoll? Ja, besonders in der ersten Zeit nach der Geburt (im Wochenbett) helfen medizinische Kompressionsstrümpfe dabei, das Risiko von gefährlichen Thrombosen signifikant zu senken und unangenehme Schwellungen zu reduzieren. Ihr behandelnder Arzt wird Sie individuell beraten, wie lange das Tragen in Ihrem speziellen Fall empfohlen wird. Wann genau darf ich nach der Entbindung mit der aktiven Behandlung beginnen? In der Regel wird ärztlich empfohlen, bis nach dem vollständigen Abstillen zu warten, bevor minimalinvasive Eingriffe wie eine Sklerotherapie oder thermische Laserbehandlungen durchgeführt werden. So hat der Körper ausreichend Zeit, sich zu erholen und seinen Hormonhaushalt wieder vollständig zu normalisieren. Beitragsnavigation Sommer und Krampfadern: Wichtige Ratschläge von Dr. Artur Sadikov Training mit Krampfadern: Ein Leitfaden für sicheren Muskelaufbau